Zahnmedizinische Ernährungsberatung von Schwangeren

Jede schwangere Frau hat bestimmt schon einmal den Spruch "Jedes Kind kostet der Mutter einen Zahn" zu Ohren bekommen. Tatsächlich gingen früher die Schwangerschaften mit Zahnverlusten einher, die aufgrund mangelnder Hygiene und falscher Ernährung ihren Ursprung fanden. Glücklicherweise sind Zahnverluste heute nur noch selten der Fall. Dennoch ist Handlungsbedarf angesagt: Nur etwa 10 % aller schwangeren Frauen werden von ihren Frauenärzten auf eine zweimalige zahnprophylaktische Untersuchung während der Schwangerschaft (im 3. und im 7. Monat) hingewiesen. Denn Schwangere stellen eine Risikogruppe für Erkrankungen des Zahnapparates dar. Bestimmte Ernährungsfehler, aber auch die durch die Schwangerschaft bedingte Hormonumstellung erleichtern den Zutritt schädlicher Substanzen.

Ziel sollte es sein, neben den gynäkologischen Vorsorgeuntersuchen und der Aufklärung über eine ausreichende Schwangerschafternährung eine zahnmedizinische Beratung (Mundhygiene, Ernährung) für Schwangere durchzuführen - eine berufliche Herausforderung für Zahnärzte und Ökotrophologen.

Aufbau des Zahnes

Man unterscheidet die sichtbaren Teile des Zahnes, die aus dem Zahnfleisch herausragen, den Zahnhals und die Zahnkrone und den unsichtbaren Teil, die Zahnwurzel, die im Knochenfach (Alveole) verankert ist. Der Zahnhals ist der Übergang von der Krone in die Wurzel. Er wird vom Zahnfleisch (Gingiva) wie von einem Band umschlossen. Die Gingiva unterliegt einem Alterungsprozeß und bildet sich im Laufe des Lebens zurück, ohne jedoch eine Zahnlockerung mit sich zu bringen, wie das bei gewissen Zahnfleischerkrankungen (Parodontopathien) der Fall ist.

Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz im Körper und bildet die äußere Schicht der Zahnkrone. Nur gegen Säuren - die Mitverursacher von Karies - ist der Zahnschmelz besonders anfällig. Unter dem Schmelz liegt das Zahnbein (Dentin), eine harte, aber elastische Substanz, welche die Pulpahöhle umgibt. In der Pulpahöhle befindet sich das Zahnmark (Pulpa dentis), welches aus Nerven, zu- und abführenden Blutgefäßen, Bindegewebe und Lymphgefäßen besteht. Zahnfleisch, Zahnzement, Wurzelhaut (Parodontium) sowie Knochenfach verankern den Zahn im Kieferknochen.

Stoffwechselbedingte Veränderungen

Während der Schwangerschaft wird durch die Umstellung des Hormon-haushalts das Bindegewebe aufgelockert, um den Geburtsvorgang vorzubereiten. Die hormonellen Umstellungen bewirken u. a. eine allgemeine Gefäßerweiterung (= Vasodilatation) sowohl von Arterien als auch Venen sowie eine gesteigerte Durchblutung aller Organe.

Gingivitis

Hiervon ist auch das Bindegewebe des Mundraumes betroffen. Das Zahnfleisch schwillt an, der Zugang von Mikroorganismen und deren Toxine wird erleichtert, wodurch es zu einer erhöhten Entzündungsbereitschaft der Gingiva kommt. Die Einwirkung von Speiseresten verstärkt die Entstehung einer Gingivitis (Grospietsch, 1990). Erkennbar wird die Gingivitis meist in Form von Zahnfleischbluten, was viele Frauen dazu veranlaßt, die Mundhygiene einzuschränken. Dadurch verstärken sie jedoch ungewollt den negativen Effekt. Mangelnde Zahnpflege fördert die Belagsbildung und als Folge davon die Entstehung von Karies (Kyank, et.a., 1980).

Zahnfleischbluten und Entzündungen des Zahnhalteapparates treten bei ca. 40 bis 80 Prozent aller Schwangeren auf und beginnen häufig im 3. Schwangerschaftsmonat. Die Häufigkeit und Schwere der Zahnerkrankungen nimmt außerdem mit dem Alter der Schwangeren und mit der Anzahl der vorangegangenen Schwangerschaften zu. Von Bedeutung ist ferner, daß die Intensität der Parodontopathien davon abhängt, ob die Wurzelhaut der Zähne vor der Schwangerschaft bereits geschädigt war oder nicht (Kyank, et.a., 1983).

Viele Betroffene meiden durch das Zahnfleischbluten häufig Speisen, die stark gekaut werden müssen. Meist handelt es sich v. a. um kohlenhydrat- und ballaststoffreiche Lebensmittel, wodurch sich eine Schwangerschaftsobstipation verstärken kann.

Um das Zahnfleisch zu trainieren und Verdauungsproblemen vorzubeugen, sollten etwa mehr als die Hälfte der täglichen Energiezufuhr durch komplexe Kohlenhydrate, beispielsweise in Form von Kartoffeln, Reis, Gemüse, Hülsenfrüchte, Brot und Getreide gedeckt werden. Lebensmittel sollten nicht zu weich gekocht, sondern "auf den Biß" gegart werden. Durch kräftiges und langes Kauen der Speisen und eine sorgfältige Mundhygiene, bei der das Zahnfleisch massiert wird, gehen die Entzündungen nach der Schwangerschaft meist vollständig zurück (Grospietsch, 1990).

Veränderung der Speichelzusammensetzung

Neben den Entzündungssymptomen während der Schwangerschaft, die aufgrund der verstärkten Durchblutung auftreten, ergeben sich noch andere zahnspezifische Probleme: Die Zusammensetzung des Speichels verändert sich in der Gravidität und verstärkt die Kariesentstehung.

Der Eiweißgehalt des Speichels und der Gehalt an Kalium erhöhen sich, während die Konzentration an Natrium sinkt. Durch den erhöhten Eiweißanteil im Speichel erhält dieser eine höhere Viskosität und begünstigt somit die Zahnbelagbildung.

Hinzu kommt, daß die Spontansekretion der Glandula submandibularis (= die Speicheldrüse, die sowohl serösen als auch mukösen Speichel sezerniert) im Verlauf der Schwangerschaft abnimmt. Im Gegensatz zu nichtschwangeren Frauen, die je nach Phase des Monatszyklus zwischen 1,59 ml/10 min und 1,75 ml/10 min Speichel bilden, liegt die Sekretionsrate von schwangeren Frauen bei 1,23 ml/10 min im 4. Monat und sinkt zwischen dem 8. und 10. Monat auf weitere 0,84 ml/10 min ab (Käser, et.a., 1981).

Ein weiterer negativer Effekt bezüglich der Kariesenstehung sowie der Erosionsgefahr der Zahnflächen ergibt sich durch eine Herabsetzung des Speichel-pH-Wertes auf ca. 6,11 (normal ca. pH 6,69). Häufiges Erbrechen gerade im ersten Drittel der Schwangerschaft und Sodbrennen - v. a. im letzten Trimenon - kann zudem ein weiteres Absinken des Speichel-ph-Wertes auf pH 5,90 bewirken (Käser, et.a., 1981).

Zur Vorbeugung gegen weitere Angriffe auf Zahnhälse und Glattflächen der Zähne sollten Schwangere das Zähneputzen direkt nach dem Erbrechen meiden und den Mund vielmehr mit Wasser, wenn möglich mit einer Fluoridlösung spülen. Das Trinken von einem Glas Milch bringt ebenfalls einen neutralisierenden Effekt.

Ernährungsbedingte Probleme

Neben den hormonellen Umstellungen ändert sich während der Schwangerschaft auch häufig das Eßverhalten. Bestimmte Lebensmittel werden bevorzugt verzehrt, die Kost ist in der Regel vitaminbetont, es können sich jedoch auch Ernährungsfehler "einschleichen", die aufgrund von mangelnder Aufklärung zahnspezifische Probleme nach sich ziehen können.

"Süßes und Saures bevorzugt!"

Schwangere Frauen verspüren oft spezielle Essensvorlieben, v. a. für sauer eingelegtes Gemüse, Fischkonserven und hochkalorische Süßigkeiten. Manche Speisen, die vorher sehr beliebt waren, können nun aufgrund einer Überempfindlichkei auf bestimmte Gerüche oder durch schwangerschaftsbedingtes Unwohlsein sogar abgelehnt werden.

Während der Verzehr von fettreichen Lebensmitteln Komplikationen während der Schwangerschaft und bei der Geburt fördert, führen süße und saure Speisen gerade in dieser Zeit zu Zahnproblemen: Neben der veränderten Speichelzusammensetzung und dem häufig auftretenden schwangerschaftsbedingten Erbrechen wird die Gefahr für Erosionen am Zahnschmelz durch den Genuß derartiger Lebensmittel noch verstärkt. Saure Lebensmittel wirken direkt auf den Zahnschmelz ein, während zuckerreiche Lebensmittel kurze Zeit nach Verzehr durch Bakterien zu Säure vergoren werden.

Vitaminbetonte Ernährung

Viele schwangere Frauen verändern ihr Eß- und Trinkverhalten häufig auch in Hinblick auf vitaminreiche Lebensmittel. Das Bewußtsein, sein heranwachsendes Kind und seinen eigenen Körper mit allen wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen, verleitet sie dazu, vermehrt Fruchtsäfte und Obst, insbesondere Vitamin-C-haltige Südfrüchte und Säfte, um Infektionen abzuwehren, zu konsumieren.

Untersuchungen ergaben, daß Zitronensäure die aggressivste Fruchtsäure für den Zahnschmelz ist, deren Wirkung auf ihrer komplexbildenden Eigenschaften beruht. Relativ hohe Zitronensäuregehalte sind in Orangen, Mangofrüchten, Weintrauben, Grapefruits, Ananas, Pflaumen und Tomaten enthalten. Verstärkt wird der Demineralisationseffekt der Zahnflächen zudem durch solche Früchte, die neben der Zitronensäure auch noch Apfel- und Weinsäuren enthalten, z. B. Äpfel oder Apfelsaft. Durch diese Fruchtsäuren wird der Zahnschmelz für die Komplexbildung durch Zitrat zusätzlich aktiviert (Graehn, 1995).

Fruchtsäfte stellen ein weiteres Gefahrenpotential für die Kariesentstehung durch ihre niedrigen pH-Werte dar. Die Werte von natürlichen Fruchtsäften ohne zusätzlichen Zuckergehalt liegen je nach Sorte zwischen pH 3,2 und pH 4,7 und sind saccharosegesüßten Säften hinsichtlich ihrer Kariogenität gleichermaßen einzuordnen (Laurisch, 1994).

Allerdings sollte in der Ernährungsberatung durch diese kritische Darstellung nicht vom Verzehr von Obst und Fruchtsäften abgeraten werden. Die darin enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe unterstützen eine vollwertige und nährstoffreiche Ernährung. Einer möglichen Schädigung des Zahnschmelzes kann durch eine entsprechende Mundhygiene wirkungsvoll entgegen gewirkt werden.

Unmittelbar nach Verzehr von sauren Lebensmitteln sollte auf das Putzen der Zähne verzichtet werden. Statt dessen empfiehlt es sich, die Säurewirkung mittels einer intensiven Mundspülung z. B. mit Natriumhydrogenkarbonat (1/2 Teelöffel auf 1/4 Glas Wasser), einem Glas Milch oder Wasser zu neutralisieren (Graehn, 1995).

Diät in der Schwangerschaft?

Fehlernährung aufgrund Unwissenheit oder Mangelernährung von besonders figurbewußten Frauen können neben der Erschöpfung der Nährstoffspeicher der Mutter und Fehlbildungen des Embryos ebenfalls negative Folgen auf die Zahngesundheit haben: Der regulative Einfluß von Vitamin A auf die Zahnschmelzbildung ist seit längerem bekannt. Ferner führt ein Mangel an den Vitaminen A und C zur Schwächung der Schutzbarriere der Schleimhäute. Mikroorganismen können leichter ins Bindegewebe eindringen und fördern die Entstehung einer Gingivitis. Zudem schwächt eine Mangelernährung an lebenswichtigen Nährstoffen neben einer Unterversorgung des Embryos bzw. Fetus das Immunsystem der Schwangeren und beeinflußt dadurch den Ablauf von Entzündungsprozessen (Gülzow, 1995)

Empfehlungen für eine zahnmedizinisch gesunde Ernährung in der Schwangerschaft

Eine vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung mit hohen Anteilen an komplexen Kohlenhydraten, hochwertigem Eiweiß und essentiellen Fettsäuren sowie ausreichender Flüssigkeitszufuhr sollte während der Schwangerschaft selbstverständlich sein.

Vitamin A in Maßen

Allerdings muß vor einer Überversorgung mit Vitamin A gewarnt werden: Eine erhöhte Zufuhr von mehr als 3 mg pro Tag schädigen u. U. den Embryo. Diese Empfehlung gilt ausschließlich für reine Vitamin-A-Lieferanten, beispielsweise Innereien. Auf tierische Leber und deren Wursterzeugnisse sollte deshalb während der Schwangerschaft verzichtet werden. Da die Resorption von Provitaminen (Betacarotin) und deren Umwandlung in Vitamin A nur begrenzt möglich ist, kann eine provitaminbedingte Schädigung ausgeschlossen werden (DGE, 1991). Betacarotin ist u. a. in Karotten, Grünkohl, Fenchel, Blattspinat, Broccoli und Aprikosen enthalten.

Vitamin C als Schleimhautschutz

Als potente Vitamin-C-Lieferanten zur Abwehr von Infektionen und ausreichendem Schleimhautschutz sind beispielsweise Paprikaschoten, Broccoli, Kohlgemüse (Grünkohl, Blumenkohl, Weißkohl, Wirsing, Rosenkohl und Kohlrabi), Kiwifrüchte, Orangen, Grapefruit und Erdbeeren geeignet.

Fluorid als Kariesprophylaxe

Die prophylaktische Wirkung von Fluor während der Schwangerschaft wird in der Literatur gegensätzlich beurteilt, ein Mehrbedarf wird in der Regel nicht vermutet. Zur Sicherung der Reserven und zur Kariesprophylaxe des Fetus erscheint jedoch nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) die Einnahme an Natriumfluorid von ca. 2 mg pro Tag (entspricht 1 mg Fluorid) während der Schwangerschaft als empfehlenswert (DGE, 1991). Bei Fluoridgehalten des Trinkwassers zwischen 0,3 und 0,7 mg pro Liter ist die Supplementmenge zu halbieren, bei mehr als 0,7 mg pro Liter kann vollständig darauf verzichtet werden. Gemäß den Angaben deutscher Wasserwerke enthalten 90% aller Trinkwässer der "alten" Bundesländer weniger als 0,3 mg Fluorid pro Liter.

Gute Fluoridquellen sind neben schwarzem Tee fluoridreiche Mineralwässer, für die eine Kennzeichnungspflicht besteht, wenn der Fluoridgehalt mehr als 1,5 mg/l beträgt. Schwarzer Tee sollte jedoch aufgrund seiner hemmenden Wirkung bezüglich der Resorption von Eisen auf 2 bis 3 Tassen pro Tag beschränkt werden. Eine gute Alternative dazu bietet fluoridiertes Speisesalz, das ebenso gut verfügbar ist wie Fluoridsalze in Tablettenform (DGE, 1994). Da Fluor zu denjenigen Elementen zählt, deren positiver Nutzen und toxische Eigenschaften nah beieinanderliegen, sollte eine Überdosierung vermieden werden. Hohe Dosen (> 2 mg pro Tag) über längere Zeit können sich u.a. in Form von Skelettveränderungen, Osteoporose oder Verkalkung von Sehnen und Bändern auswirken.

Kind kostet keinen Zahn!

Nach dem fünften Monat nimmt die Einlagerung von Mineralien in die Knochen des Fetus schnell zu, so daß der Calciumbedarf der Mutter laut den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung von ca. 1000 mg pro Tag auf 1200 mg pro Tag ansteigt. Calcium liegt in den Zähnen in kristalliner Form vor und steht somit nicht zur Deckung des Bedarfs zur Verfügung, weshalb das herkömmliche Sprichwort "Jedes Kind kostet der Mutter einen Zahn" bezüglich einer mangelnden Calciumversorgung nach heutigen Kenntnissen nicht mehr tragbar ist. Allerdings wird das vom Fetus benötigte Calcium bei unzureichender Zufuhr über die Nahrung der Mutter aus deren Knochen mobilisiert, weshalb eine ausreichende Zufuhr anzustreben ist (Little, et.a., 1991). Werden beispielsweise nur wenig Milch und Milchprodukte bzw. calciumreiche Mineralwässer verzehrt, ist eine zusätzliche Calciumgabe durchaus sinnvoll. Bei der Auswahl von Milch und Käse als Calciumlieferanten sollten pasteurisierte Milch- und Käsesorten bevorzugt werden. Auf Rohmilch und aus Rohmilch hergestellten Weichkäse sollte während der Schwangerschaft aufgrund der Gefahr einer möglichen Listerieninfektion verzichtet werden. Eine Ausnahme gilt jedoch für Hart- und Schnittkäse aus Rohmilch, beispielsweise "Allgäuer Emmentaler": Diese Rohmilchkäse gelten als unbedenklich (AID, 1994).

Vorsorgemaßnahmen

Drei wesentliche Faktoren sind für die Zahnerhaltung von Bedeutung und sollten während der Schwangerschaft in besonderem Maße beachtet werden:

1. Eine gesunde und vollwertige Ernährung

Neben einer abwechslungsreichen Ernährung mit hoher Nährstoffdichte sollten stark saure Getränke, z. B. Zitronen- oder Grapefruitsäfte sowie Süßigkeiten reduziert bzw. während der Hauptmahlzeiten verzehrt werden, um möglichen Schäden am Zahnhalteapparat vorzubeugen. Außerdem sollte eine kauaktive Ernährungsweise sichergestellt werden, die über die Anregung der Speicheldrüsen zu ausreichendem Speichelfluß führt und dadurch zur Selbstreinigung des Gebisses beiträgt. Eine vollwertige Ernährung besteht aus einem großen Angebot an frischem Obst und Gemüse, Brot und Getreideprodukten, Milch und Milchprodukten, mageren Fleisch- und Wurstwaren, Fisch, Eiern, Ölen und Fetten mit einem hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren, frischen Kräutern und ausreichender Flüssigkeitszufuhr in Form von kalorienarmen Getränken (zum Beispiel Mineralwasser, Tee, Saftschorle).

2. Die richtige Mundhygiene und Zahnpflege

Regelmäßige Zahnarztbesuche (mindestens zweimal), sorgfältige Mundhygiene und Zahnpflege sind während der Schwangerschaft unerläßlich für die Gesunderhaltung der Zähne und des Zahnhalteapparates. Unmittelbar nach jeder Mahlzeit sollten die Zähne geputzt werden. Wichtigstes Instrument hierfür ist die Zahnbürste. Zähne und Zahnzwischenräume werden mit ihrer Hilfe von Speiseresten gereinigt und Bakterien das Nährsubstrat entzogen, so daß die Bildung von Belägen ausbleibt und die Säureproduktion unter den Belägen verhindert wird. Das Zahnfleisch wird durch das Bürsten massiert, wird dadurch gut durchblutet und kann somit funktionsfähig bleiben. Kraftintensives Bürsten der Zähne und Verwendung abrasiver Zahnpasten sind nicht zu empfehlen.

3. Eine ausreichende Fluoridierung der Schmelzoberflächen

Durch geeignete Fluoridierungsmaßnahmen (fluoridreiche Zahnpasten, Lösungen und Lacke, fluoridiertes Speisesalz und fluoridhaltiges Trink- und Mineralwasser) kann eine wirksame Karieshemmwirkung erzielt werden. Fluoride bieten doppelten Schutz vor Karies: Sie härten einerseits den Zahnschmelz und erhöhen dadurch die Widerstandskraft gegen Säuren. Zum anderen sorgen sie für die Remineralisierung der Zähne, der Einlagerung von Mineralien aus dem Speichel in vorher demineralisierte Schmelzbereiche (Lehmann, 1993).

Zusammenfassung

Einige spezifische Ernährungsregeln, regelmäßige Zahnarztbesuche und ausreichende Mundhygiene können bereits im Vorfeld zahnspezifische Erkrankungen minimieren. Eine Aufklärung über die hormonell bedingten Veränderungen während der Schwangerschaft und die daraus möglicherweise resultierenden Probleme sollten Inhalt einer umfassenden Beratung sein, die von Zahnärzten und Ernährungswissenschaftlern durchgeführt werden kann.

Eine werdende Mutter sollte nicht "für zwei" essen, jedoch für zwei denken und auf eine gesunde und vielseitige Ernährung achten. Wenn sie dann noch ihre Lebensmittel nährstoffschonend zubereitet und auf eine gute Mund- und Zahnpflege achtet, sind bereits alle wichtigen Grundsteine für eine angenehm verlaufende Schwangerschaft, "ohne Zahnverlust" und eine optimale Entwicklung ihres Kindes gelegt.

Literatur

Auswertungs- und Informationsdienst (AID): Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit. AID Verbraucherdienst, Bonn 1994

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr, 5. Überarbeitung, Umschau-Verlag, Frankfurt/Main 1991

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Kann eine abwechselungsreiche und vielseitige Kost eine optimale Fluoridversorgung der Bevölkerung sichern? DGE-info, Für die Beratungspraxis, August/September 1994, 11-12

Friedberg, V.; Rathgen, G.H. (Hrsg.): Physiologie der Schwangerschaft. Thieme, Stuttgart 1980, 107-110

Gentz, A.: Ärztlicher Rat zur Verhütung von Zahnerkrankungen bei Kindern und Erwachsenen. Thieme, Stuttgart 1976, 66-83

Graehn, G.: Säureerosionen an den Zähnen als mögliche Folge einer Ernährungsumstellung. Zahnärztliche Praxis 3 1995, 14-19

Grospietsch, G.: Erkrankungen in der Schwangerschaft. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 1990, 2. Aufl., 83-85

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Käser, O.; V. Friedberg (Hrsg.): Schwangerschaft und Geburt, Band II/1. Thieme, Stuttgart 1981, 2. Aufl., 3.41-3.42

Koch, M. J.: Zähne und Ernährung. In: Biesalsky u.a. (Hrsg.): Ernährungsmedizin. Thieme, Stuttgart 1995, 437-443

Kyank, H.; Beller, F.K (Hrsg.): Erkrankungen während der Schwangerschaft. Thieme, Stuttgart 1983, 4. Aufl., 324-330

Laurisch, L.: Individual-Prophylaxe: Diagnostik und Therapie des individuellen Kariesrisikos. Carl Hanser, München 1994

Lehmann, K. M.; Hellwig, E.: Einführung in die restaurative Zahnheilkunde. Urban u. Schwarzenberg, München 1993, 7. Aufl.

Little, J.W.; Falace, D.A.: Zahnärztliche Behandlung von Risikopatienten. Dt. Ärzte-Verlag, Köln 1991, 267-272

Przyrembel, H.: Empfehlungen zur Kariesprophylaxe mit fluoridiertem Speisesalz. Kurzfassung Pressekonferenz der Informationsstelle für Kariesprophylaxe am 11. Mai 1993


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