Suppenkult

In Deutschland, egal wo man hinschaut - ob München, Köln, Hamburg - überall eröffnen kleine Steh-Restaurants, die auf Suppen und Eintöpfe spezialisiert sind.
Wir fragen uns, woher diese neu entdeckte Liebe zu einem Essen, das lange Vergessenheit geraten war. Das höchstens noch als Appetitanreger vorm Essen gereicht wird und das kaum noch jemand kochen kann, der nicht gerade jenseits der 60 ist.

Schon vor etwa 6000 Jahren haben Menschen aus Nilpferdknochen und Wasser eine “Nilpferd-Bouillon” gemacht oder sie kochten aus Haferschleim, den Vorläufer der Suppe. Auch das Wort selbst ist uralt. Suppe kommt von “Supen”, das so viel heißt wie Saufen, Saugen oder Schlürfen. Anfang des 20. Jahrhunderts verschwand die Suppe langsam aus den Töpfen. In erster Linie lag das daran, dass im Zuge der Industrialisierung die Frauen einfach immer weniger Zeit zum Kochen hatten, was die Lebensmittelindustrie erkannte und Tütensuppen erfand.

Jetzt erlebt die Suppe ein Comeback: In Polen kocht man gerne Biersuppe mit saurer Sahne, Eiern, Butter, mehl und Käsewürfeln, in Sibirien den aus 18 Zutaten Borschtsch, in der Mongolei schwört man auf gelbe Erbsensuppe mit Tomatenmus und Wurzelstreifen.
Auch heute genügt bei vielen allein der Geruch von Suppe viele Erinnerungen aus, z. B. Omas Rindfleischsuppe mit Fettaugen, Mamas Buchstabensuppe mit Ei oder frische Gemüsesuppe. Bei manchen löst der Gedanke an Suppe aber auch negative Erinnerungen aus: Notzeit- und Kriegsessen, allerdings gab es damals eher “dünne” Suppe mit wenig oder ohne Einlage. Die Vielfalt der neuen Suppengeneration lockt sogar den größten Suppenkaspar aus seinem Versteck vor. 

In Japan beispielsweise beginnt jeder Tag mit einer Miso-Suppe, weil die japanische Mythologie Miso (= Paste aus Sojabohnen, Wasser und Meersalz) als “Geschenk der Götter” betrachtet, welches Glück, Gesundheit und Langlebigkeit verspricht.

Suppen sind ideale Mahlzeiten für den kleinen Hunger, denn sie macht satt, ist gesund und liegt nicht schwer im Magen. Deshalb ist sie für Berufstätige ideal (um nicht in die bekannte “Fress-Narkose” nach einem schweren Mittagessen zu verfallen!). Eine Suppe mit Gemüse, Fleisch, Nudeln oder Kartoffeln kann sogar eine komplette Mahlzeit ersetzen - und die Mineralstoffe werden nicht wie oft bei der Zubereitung von Gemüse mit dem Kochwasser weggeschüttet, sondern bleiben in der Suppe. Wer krank ist, ist häufig auch gut mit einer Suppe bedient und für Sportler bringen Suppen einen guten Ausgleich für das beim Schwitzen verlorene Wasser.

Buchtipp: “Soup Cult” von Frank Buchholz, GU-Verlag


"Lecker und gesund"  |  Dienstleistungen  |  Bücher  |  Ernährungsinfo  | Home