Ess-Störungen: Magersucht

Wie sieht das Leben aus, wenn jeder Bissen zum zentralen Thema geworden ist - wenn das Denken zwanghaft auf Begriffe wie Essen, Kalorien, Gewicht, Abnehmen, Hunger, Figur, Waage fixiert ist? In Deutschland beschäftigen sich vorsichtigen Schätzungen zufolge zwischen 500.000 und drei Millionen Menschen damit. Die entsprechenden Krankheitsbilder werden unter dem Begriff Ess-Störungen zusammengefasst und heißen Magersucht (Anorexia nervosa) und Bulimie (Ess- Brechsucht). Ess-Störungen nehmen seit Jahren deutlich zu und zählen inzwischen zu den häufigsten weiblichen Erkrankungen. 

Was bedeutet “Magersucht”?
Etwa 95 Prozent der Betroffenen sind Mädchen, die Mehrzahl im Alter zwischen 15 und 18. Sie entwickeln erhebliche Ängste vor jeder Nahrungsaufnahme und Gewichtszunahme, hungern nahezu bis zum Skelett ab und fühlen sich trotzdem noch zu dick. Auf Grund einer veränderten Körperwahrnehmung hinsichtlich Gewicht, Größe oder Körperform (Körperschemastörung) finden Sie sich schön so spindeldürr - sind stolz auf ihren Gewichtsverlust und hoffen auf Anerkennung, Bewunderung und Bestätigung. Sie können nicht einsehen, dass Sie ernsthaft krank sind. 
Magersucht ist eine also krankhafte Ess-Störung. Kennzeichnend an einer Magersucht ist, dass die Personen nicht mehr aus ihrer Sucht heraus kommen. Sie merken zwar, dass es ihnen ab einem bestimmten Punkt nicht mehr so gut geht, denn meist fühlen sich Magersüchtige auch depressiv, einsam und alleine. Hinzu kommen ebenso körperliche Probleme wie niedriger Blutdruck, Haarausfall, trockene Haut, Nierenschädigungen, etc. Ähnlich wie bei anderen Suchterkrankungen genügt es nicht, einfach wieder zum Essen anzufangen. Die Mädchen und Frauen haben nämlich verlernt, wieder richtig zu essen bzw. haben eine wahnsinnige Angst, dick zu werden.

Warum treten Ess-Störungen auf?
- Schlank ist schön. Je mehr Frauen sich zumindest körperlich diesem männlichen Idealtyp annähern, umso attraktiver werden sie empfunden. Ein fataler gesellschaftlicher Trend, dem viele nicht standhalten können. 
- mangelndes Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl, Selbstbild und Selbstachtung. Deshalb scheint hinter der Anorexie ein verzweifelter Kampf um Selbstbehauptung zu stecken - ein Hunger nach Liebe, ein ausgeprägter Drang nach Perfektion und Leistung, übermäßige Anpassungsbereitschaft. 
- Auch das Essverhalten in der Familie kann ursächlich sowohl für eine Magersucht als auch für eine Bulimie sein. Essgestörte Jugendliche übernehmen ihr Verhalten häufig von den eigenen Eltern, die sich ihrer eigenen Ess-Störung allerdings nicht bewusst sind.

Körperliche Folgen der Magersucht
Das Wachstum ist gebremst, die Menstruation bleibt aus (Amenorrhoe), es kommt zu Elektrolyt- und Stoffwechselstörungen, trockener Haut, starkem Kälteempfinden. Blutdruck und Herzfrequenz sind "im Keller", die Knochendichte ist herabgesetzt (es besteht Osteoporose- und damit Bruchgefahr). Auf der Hirnleistungsebene machen sich eine extrem reduzierte Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit bemerkbar. Nicht zuletzt: Bei zu großem Untergewicht (Body-Mass-Index unter 13) besteht Lebensgefahr.
An den Folgen der Unterernährung sterben etwa 10 Prozent der Magersüchtigen. 

TCE Therapie-Centrum für Ess-Störungen, Schleißheimer Str. 267, 80809 München. Fon 089 - 35 62 49-0, Fax 089 - 35 62 49 99 
Frankfurter Zentrum für Ess-Störungen, Hansaallee 18, 60322 Frankfurt. Fon 069 - 55 01 76 
Bei der Suche nach professioneller Hilfe sind auch Frauen- und Suchtberatungsstellen behilflich. 



"Lecker und gesund"  |  Dienstleistungen  |  Bücher  |  Ernährungsinfo  | Home