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Den Geschmack neu entdecken
Bei vielen Kindern und Erwachsenen lässt die Geschmackswahrnehmung nach. Grund dafür ist, dass unser Geschmackssinn mehr und mehr von zu stark aromatisierten oder gewürzten Produkten "verdorben" wird. Kinder, die nur mit dieser Art von Ess(un)kultur aufgewachsen sind, haben zunehmend Schwierigkeiten, Lebensmittel differenziert wahrzunehmen.
Zum Beispiel sind Produkte mit Apfelgeschmack in ihrer Intensität dem Aroma von natürlichen Äpfeln weit überlegen. Die Folge ist, dass der natürliche Apfelgeschmack nur noch vermindert wahrgenommen wird und der Geschmackssinn immer stärkere Anreize benötigt, um diesen Geschmack als solchen zu registrieren. Das ursprüngliche Nahrungsmittel erfährt eine Entfremdung.
Neben einer reduzierten Genussfähigkeit ist die Problematik dabei, dass Kinder eine ausgewogene Ernährung als immer "geschmackloser" empfinden und dadurch reduziert darauf zurückgreifen. Wenn Obst nur noch fahl schmeckt, ist die Lust darauf natürlich gering! Einer Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zufolge verwechseln immer mehr Kinder "sauer" mit "salzig" oder haben Probleme, unterschiedliche Lebensmittel, wie beispielsweise Karotten und Petersilwurzeln, zu unterscheiden.
Geschmacksschulungen
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, stehen in einigen Schulen in italienischen Großstädten bereits so genannte Geschmacksschulungen im Lehrplan. In Deutschland ergab eine bundesweite Umfrage der Zeitschrift "Schöner Essen" (September 2001), dass fast ein Viertel der Befragten für Geschmacksunterricht an Schulen sind. 67 Prozent der Befragten meinten hingegen, die Behandlung dieses Themas sei in erster Linie Aufgabe der Eltern. Doch immer mehr Eltern überlassen Informationen zu Ernährungsfragen ihren heranwachsenden Kindern. Achten Eltern bei kleineren Kindern noch stärker auf deren richtige Ernährungsgewohnheiten, so übertragen sie die Verantwortung mit zunehmendem Alter den Kindern selbst. Zwar ist Selbständigkeit bei Heranwachsenden begrüßenswert, doch jeder, der mit Jugendlichen zu tun hat, weiß, dass der Gedanke, sie ließen sich von ihren Eltern den Speiseplan aufzwingen, naiv wäre. Aber um tatsächliche Eigenverantwortung für eigene Ernährungsgewohnheiten zu entwickeln, bedarf es einer bewussten Wahrnehmung des Essens und Trinkens. Und diese könnte in Geschmacksschulungen eingebaut werden.
Lernen über die Sinne
Denn Essen ist mehr als bloße Nahrungsaufnahme es wird dabei nicht nur geschmeckt, sondern auch gerochen, gesehen, getastet. Gerade Kinder sind Meister darin, ihre Mahlzeit mit allen Sinnen wahrzunehmen. Gleichzeitig ist ihre Aufnahmefähigkeit für langfristige Sinneswahrnehmungen stark ausgeprägt. Jeder Erwachsene, der plötzlich nach vielen Jahren wieder mit einem an seine Kindheit erinnernden Geruch konfrontiert wird, weiß wie stark sich diese frühen Erfahrungen eingeprägt haben. Der spielerische Umgang mit den Sinnen, wie er in Geschmacksschulungen gelernt wird, macht so nicht nur Spaß, sondern schärft auch wieder die Wahrnehmungen und führt so zu einem ausgewogeneren Essverhalten.

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