BSE-Problematik

Wodurch kann BSE übertragen werden?

Innerhalb der letzten zwei Jahre sind 23 Menschen (22 Briten, 1 Franzose) an einer neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Demenz (vCJD) gestorben, die sich durch die Krankheitsdauer und das Alter der Patienten wesentlich von der klassischen Form unterschied: Während normale CJD-Patienten im Mittel mit 60 Jahren erkrankten, lag das Durchnittsalter bei der neuen Variante bei 29 Jahren! Glücklicherweise ist BSE keine Krankheit, die durch Tröpfcheninfektion (wie z.B. beim Schnupfen) übertragen wird. Damit die Rinderseuche weitergereicht wird, muss infektiöses Material (v.a. Gehirn, Rückenmark, und Innereien) aufgenommen werden. Die Dosis der Erreger entscheidet dabei über das Risiko an BSE (= vCJD) zu erkranken. Während verschiedene Innereien hochinfektiös sein können, ist der Erreger in Muskelfleisch und Milch kaum nachweisbar.

Welche Produkte sind betroffen?

Rinderbestandteile sind der Ausgangspunkt für viele Produkte: Fleisch- und Wurstwaren, Milchprodukte, Gelatine, Kosmetika und Arzneimittel. Seit dem Exportverbot für lebende, britische Rinder im Juli 1989 wurden die Einfuhrbedingungen zunehmend verschärft, bis im März 1996 allein englische Milchprodukte (von BSE-freien Kühen) das Land verlassen durften. Der überwiegende Teil der Industrie hat nach eigenen Angaben schon frühzeitig keine britischen Rinderprodukte mehr verwertet. Eine Fülle von Gütesiegeln und die Einführung eines Tierpasses sollen die Herkunft von Tieren aus BSE-freien Beständen garantieren.

Kaufen Sie kein Rindfleisch bei dem die Herkunft nicht nachweisbar ist. Insbesondere empfehlen wir, Fleisch aus der Region zu kaufen, da kurze Wege eine bessere Transparenz ermöglichen und außerdem die Umwelt schonen. Für Wurst und verarbeitetes Rindfleisch ist leider keine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in Sicht. Kaufen Sie nur Wurstwaren, deren Hersteller die Herkunft der verwendeten Rinderrohstoffe belegen können. Auch Erzeugnisse aus ökologischer Landwirtschaft und aus Markenfleischprogrammen schließen britisches Rindfleisch aus. Bei Wurstwaren unbekannter Herkunft ist Skepsis angebracht. Das Lebensmittelrecht erlaubt, Gehirn und Innereien bei der Wurstherstellung zu verarbeiten. Innereien vom Rind bergen u.U. ein Risiko. Bei Hirnwurst wird traditionell Schweinehirn verarbeitet. Briespastete kann jedoch Kalbsbries und Lungenwurst, Berliner Dampfwurst und Kümmelwurst können Rinderlunge enthalten. Deren Infektiösität ist noch nicht abschließend bewertet. Auch Fleischwurst, Rinderwurst, Hannoversche Weiße, Mengwurst und Mischwurst dürfen Rinderinnereien enthalten. Für Leberwurst, Leberkäse, Leberrolle, Zwiebelwurst, Grützleberwurst und Schinkencreme wird üblicherweise Schweineleber verarbeitet. Jedoch ist die Verwendung von Rinderleber prinzipiell möglich. Für diese kann ein Ansteckungsrisiko ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. In über 100 deutschen Wurstsorten dürfen Hirn und andere innere Organe von Rind und Schwein verarbeitet werden, die nach Ansicht von Wissenschaftlern den Erreger des Rinderwahnsinns BSE [Prionen] übertragen können. Mehr als die Hälfte des Rind- und Schweinefleisches in der Bundesrepublik kommt in die Wurst. Viele der beliebten Wurstspezialitäten dürfen Hirn und andere Innereien enthalten. 

  • Bauernleberwurst, Berliner frische Leberwurst, Braunschweiger Leberwurst, Fränkische Leberwurst, Frankfurter Leberwurst, Frische Leberwürstchen, Griebenleberwurst, Grützleberwurst, Grützwurst, Gutsleberwurst, Hamburger Hausmacher Leberwurst, Hamburger Leberwurst, Hamburger Landleberwurst, Hallesche Leberwurst, Hausmacherleberwurst, Hannoversche Leberwurst, Hessische Leberwurst, Holsteiner Leberwurst, Kasseler Leberwurst, Kräuterleberwurst, Krautleberwurst, Landleberwurst, Leberwurst einfach, Leberwürstchen,  Lippische Leberwurst, Mehlleberwurst (Mehlpiepen), Pfälzer Leberwurst, Pommersche Leberwurst, Rheinische Leberwurst, Sächsische Leberwurst, Sahneleberwurst, Sardellenleberwurst, Schalottenleberwurst, Schlachtschüssel-Leberwurst, Schlesische Leberwurst, Schüsselwurst, Schwäbische Leberwurst, Schwarzwälder Leberwurst, Semmelleberwurst, Semmelwurst, Siedleberwurst, Streichleberwurst, Thüringer Leberwurst, Tomatenleberwurst, Weiße Schlesische Wellwurst, Wellwurst, Westfälische Leberwurst, Zwiebelleberwurst

  •  Bauernblutwurst, , Bauerrotwurst, Berliner frische Blutwurst, Berliner Preßwurst, Beutelwurst, Blunzen, Blutpreßkopf, Blutwurst, Boudin, Calenberger Rotwurst, Flönz, Frische Blutwurst mit Semmeln, Griebwurst, Grützblutwurst, Hausmacher Blutwurst, Hausmacher Rotwurst, Landblutwurst, Landrotwurst, Mengwurst, Mischwurst, Möpkenbrot,  Panhas, Pfefferwurst, Plunzen, Preßwurst, Rheinische Blutwurst, Rote Grützwurst, Rote Wellwurst, Roter Preßkopf, Roter Preßsack, Roter Schwartenmagen, Rotwurst, Sächsische Blutwurst, Schwarze Graupenwürstchen, Schwarzer Preßsack, Schwarzwurst, Speckblutwurst, Speckblutwurst frisch, Tiegelblutwurst, Tollatschen, Touristenwurst, Wurstebrot

  • Berliner Dampfwurst, Bregenwurst, Briespastete, Brieswurst, Brühwürstchen, Curry-Wurst, Fleischwurst einfach, Geflügelwurst, Hirnwurst, Innereien-Sülze, Kartoffelwurst, Knackwurst, Knappwurst, Knipp, Kümmelwurst,  Lungenwurst, Milzwurst, Norddeutsche Fleischwurst, Pfannenschlag, Putenwurst, Rinderwurst, Rindersülze einfach, Semmelwürstchen, Semmelwurst, Sülze einfach, Sülzwurst einfach, Weckewerk, Weiße Graupenwurst, Westfälische Grützwurst, Wurstebrei

Bei Geflügel oder Schweinen wurden bisher keine BSE-artigen Erkrankungen festgestellt.Der Verzehr von Milch und Milchprodukten wie Quark, Käse, Butter und Joghurt stellt nach heutigem Wissensstand kein Risiko dar. Alle Übertragungsversuche des BSE-Erregers durch Milch verliefen negativ. Milch von BSE-erkrankten Tieren darf weder für menschliche noch für tierische Ernährung verwendet werden.

Säuglingsnahrung

Bei deutschen Herstellern muß die Herkunft der Tiere lückenlos dokumentiert werden. Das Fleisch muß aus BSE-freien Beständen und Betrieben stammen. Die Milchlieferanten haben sich verpflichtet, kein Tiermehl zu verfüttern. Viele Produzenten beziehen ihre Rohwaren von ökologisch wirtschaftenden Landwirten. Auf Gläschenkost aus Großbritannien, Nordirland, Portugal und der Schweiz, die Rindfleisch enthält, sollte verzichtet werden.

Fertiggerichte und Konserven

Die Zutaten müssen zwar auf der Packung genannt werden, nicht aber ihre Herkunft. Wer ganz sicher gehen will, sollte auf den Verzehr von Produkten mit Rindfleischanteilen unbekannter Herkunft verzichten.

Gelatine

Speisegelatine wird als Bindemittel nicht nur in Wurstwaren eingesetzt, sondern auch in Getränken, Gewürzen, Backwaren, Fischwaren, Feinkostsalaten, Süßwaren und Milchprodukten. Die in Deutschland erzeugte und verarbeitete Gelatine stammt nach Angaben der Industrie zu neunzig Prozent aus Schweineschwarten. Die restlichen zehn Prozent werden unter Verwendung von starken Laugen aus Rinderbestandteilen gewonnen. Die Sicherheit dieses Verfahrens ist nicht unumstritten. Da jedoch keine Gelatine aus Großbritannien exportiert werden darf, scheint in Deutschland kein Risiko durch Gelatine zu bestehen. Eine Alternative sind Geliermittel auf pflanzlicher Basis, wie Apfelpektin oder Johannisbrotkernmehl.

Brühwürfel und Fleischextrakte

Die Rohstoffe für Fleischextrakte, Rinderbrühen und Würzen stammen in Deutschland laut Herstellerangaben ausschließlich aus Argentinien, Brasilien und Uruguay. Da in diesen Ländern bisher kein BSE-Fall gemeldet wurde, kann davon ausgegangen werden, daß diese Produkte frei von BSE-Erregern sind.

BSE durch Arzneimittel

Um das Risiko einer BSE-Infektion durch Arzneimittel möglichst auszuschließen, erarbeitete die oberste deutsche Behörde für Arzneimittel einen strengen Sicherheitskatalog. Darin werden eine kontrollierte Herkunft der Inhaltsstoffe oder Maßnahmen zur Abtötung des Erregers vorgeschrieben. Seit 1996 umfaßt das Gesetz alle Medikamente, die Bestandteile vom Rind enthalten können - im wesentlichen Wachstumshormone, Heparine, Enzyme und Insuline. Auch sogenannte Reimporte oder Parallelimporte müssen in Deutschland zugelassen werden und tragen dann eine Zulassungsnummer. Bei einigen Mitteln ist auf der Packungsbeilage angegeben, ob das Medikament aus Organprodukten hergestellt wurde - beispielsweise durch den Hinweis "bovinen Ursprungs". Fragen Sie im Zweifelsfall beim Hersteller oder beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Seestraße 10, 13353 Berlin) nach. Auch Ihr Apotheker verfügt über Zusatzinformationen und kann Recherchen über die Zusammensetzung durchführen.

Wenn Sie nach Großbritannien, Nordirland oder in die Schweiz fahren, nehmen Sie deutsche Medikamente mit. Seien Sie besonders vorsichtig bei nicht in Deutschland zugelassenen Arzneimitteln, die Bestandteile vom Rind enthalten können.

BSE durch Kosmetika?

Das Risiko, sich über Kosmetika mit BSE zu infizieren, ist äußerst gering. Bei Hautverletzungen oder bei Collagenen und Frischzellen, die zur Faltenglättung unter die Haut gespritzt werden, könnten infizierte Stoffe in den Blutkreislauf gelangen. In Deutschland gelten jedoch für die Herstellung von Kosmetika ähnlich strenge Sicherheitsvorkehrungen wie für Arzneimittel. Deutsche Firmen verzichten nach eigenen Angaben mittlerweile auf Rinderbestandteile. Die strengen deutschen Bestimmungen gelten nicht für importierte Schönheitsmittel. Kaufen Sie nur Produkte, auf denen die Inhaltsstoffe aufgelistet sind. Einige Bestandteile können vom Rind stammen. Die zumeist englischen Bezeichnungen dafür finden Sie hier. In vielen Reformhäusern und Naturkostgeschäften werden Kosmetika auf rein pflanzlicher Basis angeboten. Einige Anbieter verkaufen auch Kosmetikbestandteile zum Selbermachen.

Kosmetikbestandteile, die vom Rind stammen können:               

Animal Tissue Extract, Amniotic Fluid, Brain Extract, Calf Blood Extract, Calf Skin Extract, Calf Skin Hydrolysate, Collagen, Elastin, Embryo Extract, Glycoprotein, Hemoglobin, Hydrolysed, Liver Extract, Liver Hydrolysate, Mammarian Hydrolysate, Mammary Extract Marrow Extract, Muscle Extract, Neatsfood Oil, Omental Lipids, Placental Enzyms, Placental Lipids, Placental Protein, Serum Albumin, Serum Protein, Stearin, Stomach Extract, Sodium Talluwate,Sodium Cocoate, Tallow, Udder Extract

BSE-getestet ist nicht gleich „BSE-frei“

Generell sind etwa zwei Drittel aller Schlachttiere allerdings jünger als zwei Jahre. Und da liegt auch der Schwachpunkt des Tests: Gehirnproben, die die gefährlichen Krankheitserreger, die Prionen, enthalten, werden mittels eines spezifischen Antikörpers ausfindig gemacht. Allerdings nur in solchen Fällen, in denen das Tier bereits hochinfiziert ist. Eine Infektion im frühen Stadium kann er nicht feststellen. Das heißt, der Test macht in der Anwendung vor allem dann Sinn, wenn es sich um Tiere handelt, die mindestens zwei bis zweieinhalb Jahre alt sind.


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